Blockchain als Enabler für die TUI

16.11.2018

Die Tourismusbranche befindet sich genau wie viele andere Industrien in einem anhaltenden Wandel. Einerseits ist es ein stetig wachsender Markt, sodass nicht nur die Anzahl der Kunden, sondern auch die Menge der Anbieter und Vermittler zunimmt. Andererseits ist die Branche geprägt von Digitalisierung und technischen Neuerungen. Ein bedeutender Aspekt der Digitalisierung ist sicherlich die Vereinfachung von Prozessen, um die wachsende Menge an Produkten verarbeiten und anbieten zu können. Während beispielsweise noch vor wenigen Jahrzehnten Verträge in Papierform mit Hoteliers und Airlines geschlossen wurden, ist es heute aufgrund der Menge und Verarbeitungsgeschwindigkeit eher die Ausnahme.

Ein weiterer Aspekt ist aber sicherlich auch der Aufwuchs des Portfolios, um unseren Anspruch gerecht zu werden, in allen Zielgebieten der Welt unseren Kunden die bestmöglichen Produkte anbieten zu können. Dafür bedarf es im ersten Schritt Transparenz über den Markt, um die Fragen beantworten zu können „Welche Zielgebiete und Hotels gibt es überhaupt?“ und „Welche entsprechen davon unserem TUI Standard?“. Im zweiten Schritt ist es erforderlich eine robuste Kommunikation aufzubauen, sodass spätere Buchungen z. B. den Hotelier, den Anbieter für Ausflüge oder den Bustransfer auch zuverlässig erreichen.

Beide Schritte sind heutzutage vollständig IT-gestützt und gleichermaßen davon abhängig. Vieles geschieht über technische Schnittstellen zwischen Reiseveranstaltern, Hoteliers, Airlines und anderen Partnern. Die Menge der angebundenen Systeme und auch die Durchsatzrate der Daten steigt stetig an, sodass die Tourismusindustrie heute bereits von einem riesigen Netz aus Schnittstellen durchzogen ist und zunehmend komplexer wird. Dies erfordert in der Folge hohe Wartungs- und Pflegeaufwände durch alle Beteiligten.

Wir als TUI haben uns die Frage gestellt: Welche Alternativen gibt es aus IT-Sicht, um die Komplexität zu reduzieren? Und visionär gedacht: Wäre es nicht besser ein Netzwerk zu schaffen, an dem jeder teilnehmen kann, es somit von selbst wächst, ohne weitere Schnittstellen aufbauen zu müssen? Genau an dieser Stelle sehen wir die Möglichkeiten der Blockchain als einen Teil der Antwort.

Im TUI Blockchain Lab arbeiten wir an Ideen und Konzepten um die IT-Landschaft nachhaltig neu zu denken. Ein gutes Beispiel dafür ist das Projekt „BedSwap“, welches sich seit 2017 im produktiven Einsatz befindet. Das BedSwap verfolgt als Ziel, Hotelverträge und -kontingente zwischen den verschiedenen TUI Märkten auszutauschen und damit eine übergreifende Sicht auf das Inventar zu ermöglichen. Beginnend mit diesem internen Use Case konnten Erfahrungen gesammelt und verschiedene Ideen getestet werden.

Das richtige Anwenden der Blockchain ist aber ein Teamsport. Das heißt, es lebt davon, dass viele Teilnehmer ein gemeinsames oder sich ergänzende Ziele verfolgen – und das nicht nur innerhalb eines Konzerns. Somit ist langfristig geplant ein Konsortium aus verschiedenen Teilnehmern zu schaffen oder sogar öffentliche Chains zu nutzen. Selbiges birgt aber nicht nur Vorteile, sondern gleichermaßen auch Risiken, die vorher bewertet und kompensiert werden müssen. Immerhin wird mit diesem Schritt das geschützte Netzwerk verlassen und sogar Teile der Logik in Form von Smart Contracts für alle Teilnehmer sichtbar. Aus diesem Grund ist das Sammeln von Erfahrungen, um Risiken und Möglichkeiten bewerten zu können, ein essentieller Bestandteil auf dieser Reise.

Die Entwicklung von Smart Contracts ist aber nur ein kleiner Teil des Ganzen, sodass auch andere Produktteams mit Java- und Angular-Spezialisten gefragt sind. Durch die Kombination aus pfiffigen Entwicklern, cleveren Strategen, erfahrenen Architekten und diversen Ideengebern aus den unterschiedlichen Business Einheiten denken wir die IT für die TUI ein Stück weit neu.

Thomas Dulle | Head of Development